Theseus - Ich - Minotaurus oder: Professor Hirn erklärt die Welt

Eine Tanz-Theater-Performance von CîRQU’ENFLEX und Luzius Rohner mit Texten von Friedrich Dürrenmatt
Idee|Schauspiel Luzius Rohner
Tanz|Choreographie Bea Nichele Wiggli
Tanz|Bühne Fabian Nichele
Schlagzeug Michi Stulz
E-Bass Pascal Grünenfelder
Videobearbeitung|Mitarbeit Fränzi Madörin
Lichtdesign|Technik Catherine Rutishauser
Assistenz Vera Caggegi
Tanz|Bewegungschor Nachschub Monika Seeholzer, Michaela Selz, Anet Töngi, Eva Widmann, Helen Sarah Galler, Christine Bannwart, Jacoba Becht, Monique Kröpfli, Ellen Zondler
13.|15.|16.|Januar 2010 20.00 Uhr
ProbeBühne CîRQU’ENFLEX
Werkraum Warteckpp
Burgweg 15
Basel
In den Bänden «Labyrinth. Stoffe I-III» und «Turmbau. Stoffe IV-VIII» findet sich eine Reihe von prosaischessayistischen Texten von Dürrenmatt, in denen er seinem Denken einen literarisch-philosophischen Abschluss gibt. Darunter sind der formal schwer einzuordnende Text «Das Hirn» und die Ballade «Minotaurus», welche beide – als sprachlich dicht geballte «Feuerwerkskörper» - in unsere Collage eingefügt sind.
«Das Hirn» - welche die Evolution auf eigensinnige Art und Weise beschreibt – wird dabei einem allwissenden Professor in den Mund gelegt, der in den labyrinthischen Abend einführt. Entlang der Ballade «Minotaurus» entfalten sich die szenisch-performativen Bilder, unter den speziellen Vorzeichen des Autors, dass das «Wesen zwischen Tier und Mensch», der Stiermensch aus dem kretisch-griechischen Erzähl-Fundus, in das epische Zentrum gerückt wird.
Die scheinbar unerschöpfliche Faszination des Labyrinths ist dabei der Reizpunkt der szenischen Umsetzung. Was eigentlich ist der Grund für das Faszinosum für diesen global ausgesäten, surrealistischen Topos, das ihm als philosophisch-mythisches Rätsel sein eigentümliches Dauerleben verschafft?
Wer dem Thema in Dürrenmatts Werk nachspürt, stellt fest, dass es ihn in überraschender Kontinuität ein Leben lang magisch angezogen hat. Immer wieder hat er sich an seine literarische Abarbeitung bzw. Bewältigung gemacht. Er hat versucht, das Mischwesen zwischen Stier und Mensch, das die minoische Königin Pasiphae gebar, nachdem sie sich von einem «heiligen» Bullen begatten liess, in der Ich-Perspektive zu beschreiben. Es war der Versuch, sich ganz mit dieser in ein Gefängnis aus unzähligen Gängen bestehendes Bauwerk eingesperrten Kreatur zu identifizieren. Ein Ursymbol des in seine Existenz hineingeworfenen Menschen sollte so verortet werden.
Den Versuch, die kretische Erzählung in der Ich-Perspektive wiederzugeben, verwarf Dürrenmatt zu einem bestimmten Zeitpunkt. Er begnügte sich schliesslich damit, die Perspektive des Theseus einzunehmen, das heisst als selbstbewusstes Ich in den archetypischen Irrgarten einzutreten, mit der hehren und heldenhaften Absicht, das darin wohnende Unwesen zu bewältigen.
Dies kann offensichtlich nur gelingen, wenn Ariadne (die Anima?) uns, wie es der Mythos erzählt, den berühmten Faden schenkt oder ihn (den Faden) um die Hörner des Stiers bindet, der sich inmitten des Rätselgartens befindet, in das wir alle hineinwollen ...
Ausgehend von diesem Textmaterial weben die AkteurInnen ein Geflecht aus Sprache, Tanz und Live-Musik. Textrezitationen und szenische Bilder korrespondieren mit Choreographien als Solo- oder Gruppentänze und ergeben einen experimentellen, philosophischen Abend mit offenem Ausgang.
Dabei arbeitet CîRQU’ENFLEX mit der Improvisations-Tanzgruppe „Nachschub“ und den Musikern Michi Stulz (Schlagzeug) und Pascal Grünenfelder (E-Bass), sowie dem Initiator und Schauspieler Luzius Rohner zusammen.
Die Aufführungen finden am 13., 15. und 16. Januar 2010 um 20.00 Uhr auf der ProbeBühneCirqu’enflex im Werkraum Warteckpp am Burgweg 15 in Basel statt.
13.|15.|16.|Januar 2010 20.00 Uhr
ProbeBühne CîRQU’ENFLEX
Werkraum Warteckpp
Burgweg 15
Basel

